MUSIKTHERAPIE, WAS IST DAS EIGENTLICH?

Musiktherapie ist der gezielte Einsatz von Musik im Rahmen der therapeutischen Beziehung zur Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung seelischer, körperlicher und geistiger Gesundheit. 
Musiktherapie ist eine praxisorientierte Wissenschaftsdisziplin, die in enger Wechselwirkung zu verschiedenen Wissenschaftsbereichen steht, insbesondere der Medizin, den Gesellschaftswissenschaften, der Psychologie, der Musikwissenschaft und der Pädagogik. 
Der Begriff „Musiktherapie” ist eine summarische Bezeichnung für unterschiedliche musiktherapeutische Konzeptionen, die ihrem Wesen nach als psychotherapeutische zu charakterisieren sind, in Abgrenzung zu pharmakologischer und physikalischer Therapie. 
Musiktherapeutische Methoden folgen gleichberechtigt tiefenpsychologischen, verhaltenstherapeutisch-lerntheoretischen, systemischen, anthroposophischen und ganzheitlich-humanistischen Ansätzen. 
(Quelle: Kasseler Thesen)

Ein Krankenhausaufenthalt bringt häufig einen großen Einschnitt im Leben eines Menschen mit sich. Schmerzhafte Eingriffe, Nebenwirkungen bestimmter Therapien, das Verarbeiten einer Diagnose oder auch die Symptome der Erkrankung selbst können für Betroffene neben der körperlichen Belastung auch eine seelische Erschütterung bedeuten. Und oft fehlen uns die Worte um Gefühle auszudrücken sowie um über die inneren Vorgänge zu sprechen. Machen Sie mit Musik Fortschritte! Denn mit Musiktherapie werden neue Behandlungsimpulse durch musikalische Erfahrungen gesetzt.

Wohlbefinden durch Musiktherapie

Die Musiktherapie kann Sie in dieser Hinsicht begleiten und Ihnen die Möglichkeit bieten, wieder Gespür und Vertrauen zu sich selbst mit einem nun möglicherweise beeinträchtigten Körper zu finden. Sie legt ihre Schwerpunkte auf Ihr emotionales, seelisches und spirituelles Wohlbefinden einerseits und auf spezielles Training im Sinne einer Rehabilitation. Bei folgenden Indikationen trägt die Musiktherapie besonders positiv zur Verbesserung des Wohlbefindens  bei:

Menschen mit

  • mit schweren, chronischen Erkrankungen (z. B. Krebs, Lungenerkrankungen)

  • mit chronischen Schmerzen (z. B. Rückenschmerzen, Verspannungen, Neuralgien, Kopfschmerzen, Rheuma)

  • neurologischen Erkrankungen (z. B. M. Parkinson, Demenz, Multiple Sklerose)

  • mit psychischen Erkrankungen und Leidenszuständen (z. B. Depressionen, Angsterkrankungen, Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit)

  • die Probleme haben, sich entspannen zu können, nicht abschalten können oder den Kontakt zu sich selbst verloren haben (Stress, Überforderung, „Burn-Out“-Syndrom, Schlafstörungen)

  • die sich am Ende ihres Lebens befinden

PatientInnen im Fokus

Musiktherapie richtet ihren Blick immer auf die Möglichkeiten, Bedürfnisse und vorhandenen Ressourcen der PatientInnen. Grundsätzlich wird zwischen zwei Methoden unterschieden: der aktiven und rezeptiven Musiktherapie.

Aktive Musiktherapie 

In der aktiven Musiktherapie wird entweder mit Instrumenten gemeinsam frei oder zu einem vorgegebenen Thema improvisiert und / oder gemeinsam gesungen. Das bedeutet, die PatientInnen nehmen selbst („aktiv“) am Spielen teil und wählen aus einem speziellen Angebot ein für sie oder ihn ansprechendes Instrument aus. Die Musiktherapeutin unterstützt das Spiel der PatientInnen.Ganz besondere Faszination ist das gemeinsame Improvisieren, frei im Fluss und sehr nahe am Fühlen des Menschen. Dabei entsteht ein musikalischer Dialog, der Gefühlszustände auszudrücken im Stande ist, wo Worte schon lange versagen. Gleichzeitig entsteht so auch eine Spiegelung des eigenen Zustandes, der eigenen Gefühle und bildet somit den Ausgangspunkt zur Transformation. Denn die Erkenntis ist der erste Schritt zur Heilung. Es geht dabei niemals um musikalische Leistung im herkömmlichen Sinne, es muss nicht richtig klingen oder nach einem Top40-Hit. Alles ist Musik, sogar die Atmung oder der Herzschlag. Für eine musiktherapeutische Sitzung sind keine Noten- oder Instrumentenkenntnisse nötig, nur die Bereitschaft, sich auf die Musik einzulassen.  Die anschließende Reflexion bietet die Möglichkeit, das musikalische Geschehen in Worte zu fassen und das Erlebte in Verbindung zur eigenen Lebenssituation zu bringen.

Rezeptive Musiktherapie

In der rezeptiven Musiktherapie liegt der Fokus der therapeutischen Intervention auf dem bewussten Hören und Wahrnehmen von Musik. Dabei suchen die PatientInnen selbst eine Musik aus oder die Therapeutin spielt zumeist live eine der Situation angepasste Musik vor. Im Anschluss wird das Erlebte und Empfundene wiederum reflektiert.

In der Musiktherapie klingt es zum Beispiel nach diesen Instrumenten:

Klavier, Flöten, Gitarre, Oud (Laute), Monochord, Zungentrommel, Sansula, Leier, Trommeln, Rasseln, Glockenspiel, Tischröhrenspiel und auch die Stimme hat ihren Platz.Im Prinzip kann alles verwendet werden, was in irgendeiner Weise einen Ton macht. Auch der Körper selbst kann durch Body Percussion zum Instrument werden. 

„Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an.“ (E.T.A. Hoffmann)

Das Zitat bringt das Bestreben der Musiktherapie sehr schön zum Ausdruck: die PatientInnen musikalisch zu berühren, zu erreichen, sie oder ihn mit Hilfe der Musik zu Handlungen oder Reaktionen zu motivieren oder zum gemeinsamen Tun einzuladen – grundsätzlich ist die Absicht, ihr oder ihm eine angenehme Zeit zu bereiten. Ob ein musikalischer Dialog oder ein Zuhören oder eine Stille entsteht, weiß man vorher nicht. Alles geschieht spontan und zumeist über eines der wesentlichen Elemente in der Musiktherapie – jenes der Improvisation.

Einzeln oder gemeinsam

Musiktherapie wird als Einzel- oder Gruppentherapie angeboten. In der Begleitung schwer kranker oder sterbender PatientInnen besteht auch die Möglichkeit, Angehörige oder Vertraute in die Musiktherapie miteinzubeziehen.

 

Entspannend oder ausdrucksstark & dynamisch

Findet die Therapieeinheit im Zimmer statt, wird die Musik eher leise klingen, erfahrungsgemäß geht es in der klinischen Umgebung meist um die Erfüllung des Bedürfnisses nach Entspannung. Im Therapieraum oder in der eignen Wohnung gibt es darüber hinaus die Möglichkeit, aus zusätzlichen Instrumenten auszuwählen, die nicht alle ins Zimmer mitgebracht werden können. Unter Umständen bekommt die Therapie dort auch eine andere Qualität (mögliche Hemmschwelle im Zweibettzimmer, Stationsalltag)  –  es gibt  jedenfalls auch die räumlichen Möglichkeiten für ausdrucksstärkeres oder dynamischeres Spiel, das sich bei Bedarf auch mit Bewegung verbinden lässt.

Ziele der Musiktherapie

Musiktherapie kann Sie beispielsweise dabei unterstützen

  • Ihren Körper, Ihre Gefühle (wieder) besser wahrzunehmen und zu spüren

  • Ihre Bedürfnisse ausdrücken zu können

  • Spannungszustände wahrzunehmen – Entspannung zu erlernen oder aktiver zu werden

  • Ressourcen zu entdecken

  • Gestaltende/r zu sein

  • Ihr Selbstwertgefühl zu stärken

  • Ihre Beweglichkeit – etwa den Rhythmus beim Gehen oder das „Fingerspitzengefühl“ (z. B. bei neurologischen oder rheumatischen Erkrankungen) zu trainieren

  • das Gedächtnis zu trainieren

  • Geborgenheit und Verbundenheit zu erfahren

  • einfach einmal den Alltag im Spital zu vergessen

"Ich bin doch gar nicht musikalisch..."

„Ich bin aber so unmusikalisch, ich kann kein Instrument spielen und singen kann ich schon gar nicht!“, dieser Satz begegnet einem häufig und lässt sich nur neutralisieren, wenn den PatientInnen deutlich wird, dass es in der Musiktherapie kein „Richtig“ oder „Falsch“ gibt. Für die Teilnahme an einer musiktherapeutischen Einheit sind weder eine musikalische Vorbildung noch besondere Begabungen notwendig, es wird eine Auswahl einfach zu spielender Instrumente zur Verfügung gestellt. Die wichtigste Voraussetzung ist, dass Musik grundsätzlich als etwas Positives und Angenehmes erlebt wird.

Zitate von PatientInnen:

„Es ist wunderbar…endlich kann ich einmal an etwas anderes denken…“ (91-jähriger Patient, rezeptive Musiktherapie)

 „Das war eine ganz neue und positive Erfahrung…es war, wie wenn alles in Schwingung geraten würde.“ (54-jährige Patientin, aktive Musiktherapie)